Warum ist eine Nahrungsergänzung sinnvoll, obwohl gelegentlich davon abgeraten wird?

Zunächst einmal muss man mit einem Missverständnis aufräumen:

Nahrungsergänzung kann niemals ein Ersatz für eine gesunde Ernährung bzw. Lebensweise sondern immer nur eine „Ergänzung“ sein.

Mit der Entwicklung zur „Wohlstandsgesellschaft“ hat die Zahl der ernährungsabhängigen Krankheiten stark zugenommen. Heute werden 80% der Erkrankungen laut WHO als ernährungsbedingt eingestuft. Die Zunahme der sog. Zivilisationskrankheiten ist ein deutlicher Hinweis auf eine unzureichende Nährstoffzufuhr trotz Überangebots einer Vielzahl an Nahrungsmitteln. Der Stoffwechsel hat sich jedoch seit 5000 Jahren praktisch nicht verändert („Steinzeitstoffwechsel“). Somit ist der moderne Mensch genetisch immer noch an die Ernährung von Jägern und Sammlern angepasst. So wird verständlich, dass unser Stoffwechsel mit der modernen Ernährung nur schlecht zurecht kommt (zu hoher Fett- und Zuckerverbrauch, Mangel an mehrfach ungesättigten Fettsäuren, zu wenig Ballaststoffe etc.).

Ca. 70% der Lebensmittel, die konsumiert werden, sind industriell weiterverarbeitet, sterilisiert, pasteurisiert, raffiniert, geschält oder gekocht und sie enthalten Zusatzstoffe, Farbstoffe und Konservierungsmittel sowie pH-Wert-Stabilisatoren. Laut US-Department of Agriculture enthalten viele Böden nur noch 40% Mineralstoffe bezogen auf die Werte, die vor 30 Jahren gemessen wurden. Auch in Deutschland sind viele Mineralien durch die Ausschwemmung in der Eiszeit nicht ausreichend vorhanden (vor allem Jod, Zink, Selen und Chrom). Die Probleme der ausgelaugten Böden durch den Einsatz von Kunstdünger sowie bei der Verwendung von Pestiziden sind bekannt. In der Backindustrie werden Treibmittel, Steifmacher, Konservierungs-und Farbstoffe verwendet. Früchte werden poliert und gewachst, damit sie schön glänzen und in Beutel mit Äthylengasen verpackt, damit sie lange frisch aussehen. Obst und Gemüse darf sogar in einigen EU-Ländern zur Erhöhung der Haltbarkeit bestrahlt werden. Zwar kommen ausgeprägte Mangelerkrankungen in den westlichen Industrienationen nur selten vor, marginale Nährstoffmängel, die durch moderne Analysemethoden nicht erfasst werden können, sind trotz des Überflusses an Nahrungsmitteln jedoch weit verbreitet.

Die schlechte Qualität der modernen Ernährung bedingt die Zunahme der sog. Zivilisations-krankheiten z.B. chronische Erkrankungen (Rheuma), Allergien vor allem bei Kindern, Tumorleiden, KHK, Hypertonie, Apoplexie, Gedächtnisstörungen, Diabetes mellitus Typ II, Sehschwäche im Alter und weitere Erkrankungen. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass diese sog. ernährungsbedingten Erkrankungen weitgehend deckungsgleich sind mit der Liste der sog. degenerativen Erkrankungen (Free-Radical-Diseases), die teils mit Sicherheit und teils vermutlich durch freie Radikale verursacht oder mit verursacht werden (siehe „Degenerative Erkrankungen“).

Zuletzt aktualisiert am 2011-07-01 von Dr. med. Hans-Ulrich Völker.

❮❮  Zurück zur Übersicht