Was bedeutet der Begriff Chelat bzw. Chelat-Therapie ?

Das Wort „Chelat“ stammt aus dem griechischen „chele“. Es beschreibt den Begriff des Greifens oder Klammerns. Bildlich gesehen bindet man bei der Chelattherapie organische Stoffe mit einem Metallion. Chemisch ausgedrückt sind Chelatbildner Verbindungen, die positiv geladene Metallionen (Kationen) in eine Ringstruktur bringen. In dieser Ringstruktur wird das Metall durch mehrere Bindungen quasi festgehalten und kann dann aus dem Körper (in der Regel über den Urin) entfernt werden.

Die Hauptanwendung der Chelattherapie gilt der Bindung und Ausleitung von toxischen Metallen. Zur Anwendung kommen hauptsächlich EDTA (Ethylen-Diamin-Tetra-Essigsäure), DMPS (Di-Mercapto-Propan-Sulfonsäure), gelegentlich auch DMSA (Di-Mercapto-Succimat-Acid).

Unter dem Begriff Chelattherapie verstand man früher ausschließlich die EDTA-Chelattherapie, die sich bei der Behandlung von Durchblutungsstörungen und vielen weiteren Erkrankungen bewährt hat. Nur EDTA ist in der Lage, neben toxischen Metallen auch Calciumablagerungen zu mobilisieren. DMPS hat sich bei der Ausleitung von Zahnmetallen, aber auch bei vielen weiteren Indikationen bewährt. DMSA liegt eigentlich als Pulver für die orale Anwendung vor, der Wirkstoff kann jedoch seit Neuestem in unserer Praxis auch intravenös verabfolgt werden. DMSA ist bei einer reinen Quecksilberproblematik eine Alternative zu DMPS.

Die moderne Chelattherapie berücksichtigt das unterschiedliche Metall-Bindungs-Profil der verschiedenen Chelate, so dass je nach Indikation bzw. Krankheitsbild ein individuell angepasster Einsatz erfolgen kann. Eine Chelattherapie wird in der Regel mit einer Mikronährstoffsubstitution kombiniert. Die Anwendung erfolgt durch Infusionen, die je nach Wirkstoff zwischen 30 Minuten und 2-3 Stunden dauern können.

Chelate lassen sich auch zur Schwermetalldiagnostik einsetzen. Hierbei wird ca. 1 Stunde nach i.v. -Gabe von 1 Ampulle DMPS der Urin auf die Konzentration der ausgeschiedenen toxischen Metalle untersucht. Die geschieht in einem renommierten auf Umwelttoxikologie spezialisierten Medizinischen Labor.

Zuletzt aktualisiert am 2011-03-22 von Dr. med. Hans-Ulrich Völker.

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